12.7. Verabschiedung von KR Dr. Björn Mensing - auch im live-stream

Björn Mensing
Bildrechte Versöhungskirche Dachau / Björn Mensing

Gottesdienst zum 90. Jahrestag der Veröffentlichung der NS-kritischen Denkschrift der Bekennenden Kirche und zum 85. Jahrestag der Verlegung des Mitverfassers Martin Niemöller ins KZ Dachau, mit der Verabschiedung von Kirchenrat Dr. Björn Mensing

Sonntag, 12.7 - 15 Uhr - Friedenskirche Dachau

Am 16. Juli 1936 berichtet die New York Herald Tribune über die regimekritische Denkschrift der Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche (BK), die nur eine Minderheit des deutschen Protestantismus repräsentiert: „Wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum Judenhass verpflichtet, so steht für ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe.“ 

Und etwas weiter: „Das evangelische Gewissen ... wird auf das härteste belastet durch die Tatsache, dass es in Deutschland, das sich selbst als Rechtsstaat bezeichnet, immer noch Konzentrationslager gibt und dass die Maßnahmen der Geheimen Staatspolizei jeder richterlichen Nachprüfung entzogen sind.“ Nun geht das NS-Regime noch härter gegen diesen BK-Flügel vor. Mehrere der Mitverfasser werden später in Konzentrationslager verschleppt. SS-Männer ermorden den Kirchenjuristen Friedrich Weißler im Februar 1937 in Sachsenhausen. 

Pfarrer Martin Niemöller wird am 11. Juli 1941 von Sachsenhausen nach Dachau verlegt, wo er bis kurz vor Kriegsende in einer Einzelzelle im „Bunker“ inhaftiert ist. In der Nachkriegszeit bekennt er offen seine eigene frühe Anfälligkeit für den Nationalsozialismus und sein Versagen angesichts der NS-Verbrechen: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. […] Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte“. 1967 predigt Martin Niemöller als Präsident des Weltkirchenrats bei der Einweihung der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau. 

Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche, erinnert im Gottesdienst an die mutige Denkschrift und an Martin Niemöller. Als Ehrengäste sprechen zum doppelten Jahrestag Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, Shoah-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestags und Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Mit Lorenz und Stefan Niemöller nehmen zwei Enkelsöhne von Martin Niemöller als Ehrengäste teil. 

Musikalisch bereichern der Münchner Gospelchor St. Lukas unter der Leitung von Bastian Pusch sowie Franz Wich (Orgel) den Gottesdienst. In der Liturgie wirken Pastoralreferentin Judith Einsiedel (Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau) und Diakon Frank Schleicher (Versöhnungskirche) mit, sowie Mitglieder des Internationalen Kuratoriums der Versöhnungskirche. 

Im Rahmen des Gottesdienstes wird Pfarrer Mensing nach 21 Jahren Dienst in Dachau von Regionalbischof Thomas Prieto Peral und Kirchenrätin Dr. Rebecca Scherf in den Ruhestand verabschiedet. Beim Empfang sprechen Ernst Grube (Shoah-Überlebender und Zeitzeuge), Oberkirchenrat Dr. Johannes Wischmeyer (Evangelische Kirche in Deutschland) und weitere Gäste aus dem In- und Ausland, moderiert von Stadtdekan Dr. Bernhard Liess in seiner Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Versöhnungskirche. 

Da die Räumlichkeiten der Versöhnungskirche für einen solchen Anlass zu begrenzt sind, findet die Verabschiedung in der Dachauer Friedenskirche statt. Für die Teilnahme wird um Anmeldung gebeten: HIER KLICKEN

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