Die ersten Protestanten in Dachau: Kurze Geschichte unserer Gemeinde

 

„Jesus nimmt die Sünder an“ - ein Ausschnitt aus dem Gemälde der Künstlerin Marie Gräfin von Kalckreuth (1858-1897).

Sie schenkte das Gemälde der kleinen evangelischen Gemeinde in Dachau als Schmuck für deren Betsaal in der Frühlingstraße. Damals gab es hier nur etwa 60 Protestanten.

Das 1998 renovierte Bild hat seinen Platz jetzt auf der Empore links in der Friedenskirche.

 

Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Protestanten in Dachau an. Einige waren Maler, die wegen der Moos-Landschaft nach Dachau kamen. Die meisten aber waren Arbeiter in der damaligen Papierfabrik oder der Pulverfabrik. Die Evangelischen mussten zum Gottesdienstbesuch nach München oder Schleißheim fahren.

Von 1892 an
durften evangelische Gläubige den Sitzungssaal im Alten Rathaus als Gebetsraum benutzen - vorausgesetzt, sie machten ihn danach sauber. Dort waren bis zu zwölf Gottesdienste im Jahr durch einen Reiseprediger möglich.

1896 baute der spätere Vorstand der Kirchengemeinde, Mathias Rollbühler, ein Wohnhaus mit Betsaal in der (heutigen) Frühlingstraße 8. Dieses Haus konnte der Protestantische Verein e.V. im Jahr 1901 der Witwe abkaufen.

1899 wurde die Filialgemeinde Dachau gegründet. Zu den wenigen Evangelischen im Dachauer Landkreis kam ein Reiseprediger, hielt Gottesdienste und konfirmierte.

1927 errichtete die Landeskirche eine Hilfsgeistlichen-Stelle, und als erster evangelischer Seelsorger in Dachau konnte der Vikar Ratz eingestellt werden; er wohnte in der Pfarrwohnung über dem Betsaal in der Frühlingstraße. In einem kleinen aufgesetzten Türmchen, einem „Dachreiter“, hing die Gebetsglocke. Das Glockenseil soll angeblich durch alle Stockwerke hindurch bis zum Bett des Mesners geführt worden sein, sodass der vom Bett aus das Glöckchen läuten konnte.

1941 wurde die Evangelische Gemeinde in Dachau selbstständig. Die neu eingerichtete Pfarrstelle wurde mit Pfarrer Endres besetzt.

1947 kam mit Pfarrer Albrecht Köberlin und seiner Frau eine Pfarrfamilie nach Dachau, die die Friedenskirche über 29 Jahre sehr geprägt haben.

1953 wurde die Friedenskirche in der Herzog-Albrecht-Straße (Architekt Gustav Gsaenger) als neuer Gottesdienstraum eingeweiht. Der Grundriss der Kirche ist ei-förmig, an der Spitze befindet sich der Altarraum. Die bis zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts übliche Abtrennung zwischen Altarraum und Gemeinde gibt es hier nicht mehr. Gsaenger hatte dieses neuartige Grundkonzept erstmals für eine kleine Kirche im Walsertal entwickelt und beim Bau der Münchner Matthäuskirche fortgeführt. Die Grundkonzeption, Altar und Gemeinde in einen Kreis zu integrieren, ist seither vielfältig kopiert und weiterentwickelt worden. Der Alte Betsaal in der Frühlingsstraße, in dem bis dahin die Gottesdienste stattfanden, wurde verkauft. Zeitgleich mit der Kirche wurde das Pfarrhaus mit den heutigen Büros in der Uhdestraße 2 errichtet.

1953 Die Orgel, ein vorgefertigtes, nicht speziell für die Friedenskirche konzipiertes Instrument der Firma Rieger, begann am 25. Oktober ihren Dienst.

Erst in den 60-er Jahren war es finanziell möglich, das Gemeindehaus an der Herzog-Albrecht-Straße zu bauen.

1964 war die Gemeinde durch den Zuzug von vielen evangelischen Flüchtlingen so angewachsen, dass eine zweite evangelische Gemeinde in Dachau gegründet wurde: die Gemeinde der Gnadenkirche in Dachau-Ost in der Ludwig-Ernst-Straße.

1984 wurde das Evangelische Gemeindezentrum in Schwabhausen von Pfarrer Wilhelm Plesch eingeweiht und
1995 die Friedensinsel in Odelzhausen von Pfarrer Martin Stählin.

1998 Einweihung der neuen Orgel mit 20 Registern von den Orgelbauern  Reinhard Frenger und Roland Eder.

Im März 2005 hat die gesamte Kirchengemeinde 7.100 Mitglieder; davon leben 1.450 Mitglieder im Bereich Schwabhausen-Erdweg und 860 Mitglieder im Bereich Odelzhausen.

Am 4. Oktober 2009 konnte neben der Kirche auf gemeinde-
eigenem Grund das Kinder- und Jugendhaus eingeweiht werden. Die Arbeit mit jungen Familien, Kindern und Jugendlichen war schon immer und setzt weiterhin einen Schwerpunkt für unsere sehr lebendige Kirchengemeinde.